Jüdisches Mahnmal

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Seit dem 27.11.2000 hat die Schule ein Jüdisches Mahnmal mit den Namen ihrer ehemaligen Schüler. In diesem Artikel werden Beiträge aus früheren Jahren dokumentiert.

Das Denkmal

Eine Arbeit des Grundkurses Literatur (Jahrgangsstufe 12 - Schuljahr 2000/2001)

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Am Anfang stand der Auftrag für die Verwirklichung einer Idee: Die Idee zu einer Ehrentafel für eine Gruppe von ehemaligen Schülern des Adolfinum, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur "jüdischen Rasse" von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Die meisten von ihnen haben ihre Schule unter Zwang verlassen müssen.

Eine Liste mit Namen ist einem Artikel des Kollegen Plonka angefügt, auf der Einzelschicksale tabellarisch aufgelistet sind.

"Was mich daran reizt, die Aufgabe der Realisation eines Denkmals für diese Schüler zu übernehmen, ist die Herausforderung, die damit verbunden ist. Ästhetische Überlegungen stehen deshalb zunächst im Vordergrund. Ich entwickle Ideen, die in erster Linie die gestalterischen und die gestalterisch praktischen Aspekte berücksichtigen. Wie kann so etwas aussehen? Welche Materialien bieten sich an? An welcher Stelle kann eine würdige Präsentation stattfinden? Welche Schülergruppe kommt für die konkrete Umsetzung in Frage?

Mit einer Gruppe von sechs Schülerinnen und vier Schülern startet im August 1999 das Vorhaben. Es ist nicht einfach, den richtigen Zugang zu dem Projekt zu finden. Aber nach einer Phase der intellektuellen Auseinandersetzung und Recherche nimmt die Sache Gestalt an. Entwürfe entstehen. Gespräche werden geführt. Die Initiatoren und Geldgeber müssen mit einbezogen werden. Unsere Vorschläge werden angenommen. Die rein technischen Probleme rücken nun deutlich in den Vordergrund. Welche Maschinen stehen uns zur Verfügung, welche müssen angeschafft werden? Woher können wir die passenden Materialien beziehen? Welche Voraussetzungen bringen die Schüler mit? Was muss ich ihnen beibringen, damit sie nicht gleich bei den ersten handwerklichen Schwierigkeiten die Lust verlieren?

Die Stimmung im Kurs ist gut. Die Sache hat ihren deutlich spürbaren Reiz. Wir können mit der Arbeit der Umsetzung anfangen. Die Organisation der Arbeitsvorgänge ist nicht einfach. Noch gibt es Leerlauf. Aber es entwickelt sich langsam eine Art Teamgeist. Die neu erworbene Maschine zum Biegen des Rundstahls zerbricht bei ihrem ersten Einsatz. Das heißt: Improvisieren, übers Wochenende Biegevorrichtungen bauen, die sich dann auch als besser geeignet herausstellen.

Eine Liste mit Buchstaben und ihren jeweiligen Stückzahlen zeigt das Ausmaß der zu leistenden Arbeit. Die Namen der ehemaligen jüdischen Schüler sind aufgelöst. Die Anfertigung eines jeden Buchstabens muss erprobt und geübt werden. 87 Bögen für alle benötigten U und A wollen gebogen werden. Das S bereitet einige Schwierigkeiten.

Bis zum nächsten Treffen nehme ich mir vor, die Gestaltung weiterer Buchstaben auszuprobieren. Wenigstens einen ersten Namen möchten wir zusammensetzen, um sehen zu können, ob sich Idee und Konkretisierung decken. Und mit jedem Buchstaben, den wir biegen, sägen, feilen, verschweißen, putzen, polieren wird uns bewusst, dass sich vor uns eine Identität aufbaut, dass sich mit dem Namen die Frage nach dem Schicksal des Menschen aufbaut, der hinter diesem Namen steht. Joseph Moses steht in einzeln gelegten Buchstaben auf der Werkbank geschrieben, und etwas greift uns an. Joseph Moses, ein Name auf einer Liste für ein Denkmal, ein Name, der ergänzt wird durch die Angaben dessen, was nach seinem Verlassen unserer Schule mit ihm geschehen ist, Joseph Moses, dessen Name aufgegangen war in der Summierung von Einzelbuchstaben, erreicht uns erst jetzt wirklich. Wir fühlen Scham und die Schuld, die meine Elterngeneration und die Generation der Großeltern meiner Schüler auf uns geladen haben; die Schuld am Schicksal dieses Menschen und jener, deren Namen wir noch Buchstabe für Buchstabe zusammensetzen werden."

Georg Friedrich Roth - Marc-Nils Böcker - Madita Haustein - Simon Hewera - Nadine Hofmann - Stefan Hönnscheidt - Patrick Maroof - Stefanie Mehlich - Andrea Ortmann - Frauke Rütter - Yasemin Us

Herzlichen Dank allen Kolleginnen und Kollegen, Eltern, Schülerinnen und Schülern, die an der Vorbereitung und Gestaltung des Gedenktages am 27.11.2000 mitgewirkt haben!

In der Mitte Paul Spiegel

Genannt seien hier vor allem:

  • die Bläsergruppe mit Frau Lietzow
  • der Unterstufenchor mit Herrn Rühl
  • Melanie Jung (9 b,) und Helen Gries (11), Jens Mertens, Meike Hellmich, Jan Samans (13), Matthias Wittfeld, Anna Siudak, Sarah Keimer, Sarah Lindemann, Barbara Canton (12) Miriam Drissi, Nicole Klaffki, Corinna Greeske (11), als Sprecherinnen und Sprecher
  • Frau Landes und Frau Lammert-Stegner
  • der GK Literatur 12 mit Herrn Roth

Klassen- und Jahrgangsstufenangaben: Schuljahr 2000/2001