Schulalltag im Dritten Reich

Aus Wikifinum
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Gymnasium Adolfinum im Dritten Reich

Was war das Besondere, das den Schulalltag in der NS Zeit charakterisierte?

Zunächst wurde von den Lehrern Loyalitätsbekundungen gefordert, d.h. sie mussten auf einer Allgemeinen Konferenz den Nachweis ihrer arischen Abstammung geben.Auf der Allgemeinen Konferenz von 24.07.1933 wurde die Einführung der allgemeinen Grußpflicht der Beamten mit dem Hitlergruß beschlossen. Der deutsche Gruß musste vor und nach Unterrichtsbeginn erwiesen werden. In jedem Raum musste ein Bildnis des Führers angebracht werden.

NS-Zeitschriften wurden jedermann zugänglich gemacht. Mehrmals wurden Lehrer und Schüler zur Teilnahme am NSDAP-Parteitag und anderen politischen Veranstaltungen beurlaubt. In einem Fall wurde der Verweis von der Schule zurückgenommen, da ein Schüler nachweisen konnte, während des Unterrichtsversäumnisses von über einer Woche eine NS-Politische Veranstaltung besucht zu haben. Ferner war sein Vater Major. Diese Tatsache wirkte sich positiv auf die Entscheidung der Konferenz aus, was kein Einzelfall war. Oftmals wurden Kinder einflussreicher Leute bevorzugt behandelt. Die meisten Lehrer des Adolfinum waren jedoch nicht aktive Mitglieder des NSV (NS. Volkswohlfahrt) des NSLW (NS-Lehrerbund) oder der NSDAP(Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei). Aktive Nationalsozialisten waren z.B. StR Dr. Rendenbach (sen.), Propagandaleiter ("Kulturreferent"); StR Spahr, seit 1932 Vertrauensmann der Partei für das Adolfinum; StR Abendroth, Mitglied der NSDAP seit 1928 (Goldenes Parteiabzeichen). Der Rest des Kollegiums war erwiesenermaßen nur widerwillig bereit, die NS-Ideologie mit zu tragen. Jedoch war ein ehrlicher Patriotismus und Stolz aufs Vaterland bei Schülern und Lehrern gleichermaßen anzutreffen.

Jeden Monat musste ein Lehrer "über irgendein NS-Buch berichten" (Zitat Direktor Heinz), anschließender Diskussion war statthaft, Kritik nicht zulässig. Auch wurden die Allgemeinen- und Gesamtkonferenzen des öfteren zum Forum nationalsozialistischer Vorträge. Hier traten einige Lehrer mit vielen Vorträgen in den Vordergrund. Des weiteren wurden im NS die Inhalte der Fächer neu konzipiert, um sie den Anforderungen der NS-Ideologie anzupassen. Es mussten Reden der NS-Größen im Deutschunterricht behandelt werden, in Biologie stand nun die Rassenlehre im Vordergrund. Der Sport-unterricht wurde gegenüber anderen Fächern aufgewertet, auch in der Stundenzahl, wodurch einige Grundfächer nicht mehr unterrichtet werden konnten. Es gab auch Schulungslager für Lehrer und Schüler, in denen nationale Gesinnung und Sportlichkeit gelehrt und vertieft wurden. Als Folge all dieser Änderungen und der schwierigen Situation des Krieges wurden die sachlichen Anforderungen an die Schüler immer geringer. Auch ergaben sich durch die Kriegsanforderungen große Einschnitte in den Schulalltag, hier seien die Luftschutzübungen, die Altstoffsammlungen, die Knappheit an Lehrmitteln und die Belegung der Schule mit periodischen schulfremden Veranstaltungen und längerfristigen Einquartierungen zu nennen. Die Schulräume wurden von NS-Verbänden benutzt, auch die Turnhalle war davon betroffen und die Aula, der Musiksaal und der Baderaum wurden seit 1943 von der Luftschutzpolizei belegt. Darüber hinaus unterbrachen zahlreiche Werbeveranstaltungen der einzelnen Wehrmachtsteile den Unterricht. Am 02. und 24.07.1942 wurden Teile des Schulgebäudes durch nächtliche Luftangriffe zerstört, seit 1944 gab es kaum einen Tag, an dem Moers nicht von feindlichen Tieffliegern behelligt wurde. Erschwerend auf den Unterricht wirkten sich auch die vielen außer-schulischen Beanspruchungen der Schüler und die nächtlichen Brandwachen aus. Schüler der Oberstufe wurden oftmals als Luftwaffenhelfer bei der Flak eingesetzt.

Notwendigerweise wurde die Einhaltung der Ordnung immer bedeutender, d.h. Schüler konnten schon wegen des geringsten Vergehens, wie z.B. "das Präparieren einer Türklinke" von der Schule entlassen werden. Disziplinlosigkeit wurde gemäß des Zeitgeistes als eine Schwächung der Volksgemeinschaft interpretiert. Als positives Lehrerverhalten ist hervorzuheben, dass die Schüler nicht zu Denunziation aufgefordert wurden. Spezifisch nationalistisch war auch die Regel, das Schülerinnen der Aufbauschule keine Klassenämter mehr innehaben durften.

Die ersten Nachkriegsjahre

Diese Zeit war durch einen nie da gewesenen Bildungshunger und einer Lerneuphorie gekennzeichnet. Zitat des Dr. Marx (Kommissarischer Leiter bis 1947): "Nie vorher und nie nachher haben wir Lehrer eine solche Hinwendung zur Schule erlebt, nie sonst eine solche Gemeinsamkeit mit den Schülern empfunden." Dies lässt sich durch den hohen Unterrichtsausfall und der Unterbrechung des Schulbetriebes erklären, da die Schüler bestrebt waren, ihre Defizite aufzuholen und auch sicherlich die allgemeine Friedenseuphorie ihren Teil beitrug. Zwei ehemalige Lehrer, nämlich (Name geschwärzt) und (Name geschwärzt) wurden als einzige auch nach einem Berufungsverfahren nicht wieder zugelassen. Es ist nie dokumentiert worden, das es zu ernsthaften Spannungen oder Auseinandersetzungen über die Vergangenheit gekommen ist.

Literaturkurs 1999/2000, Leitung: Frau Haeuber, Text: Stephan Klein und Björn Gostomski

Hinweise

Namen geschwärzt Diese beiden Namen wurden m.W. aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes auch im Buch von Andreas Klein-Ressink (Autor) / Verein Ehemaliger Adolfiner (Hrsg.), Das Gymnasium Adolfinum in Moers in der Zeit von 1815 bis 1950, Moers / Essen 1992, auf S. 228 geschwärzt. Internet-AG, Thomas Nolte, StR

Siehe auch: Das internationale "Holocaustprojekt" eines Geschichte Leistungskurses 1997 unter der Leitung von Herrn OStR Böhme.

Literatur zum Thema Nationalsozialismus und Judentum in Moers

  • Bernhard Schmidt / Fritz Burger: Tatort Moers. Widerstand und Nationalsozialismus im südlichen Altkreis Moers, Moers (2) 1995 (Aragon), ISBN 3-89535-701-4
  • Brigitte Wirsbitzki: Geschichte der Moerser Juden nach 1933 (mit einem Beitrag von Michael Brocke zum jüdischen Friedhof), Moers 1991 (Brendow), ISBN 3-87067-440-7
  • Brigitte Wirsbitzki: Juden in Moers, Berlin 1997 (Verlag Dr. Köster), ISBN 3-89574-264-3
  • "300 Jahre jüdisches Leben in Moers" - Eine Ausstellung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Moers e.V. Ansprechpartner: Hans Helmut Eickschen, Schopenhauerstr. 6, D-47447 Moers, Tel.: 02841-30557 - Die Aussstellung wurde angefertigt aus Anlass des 750. Jubiläums der Stadt Moers.